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Offene Küchen - Kochen wie im Fernsehen?


Schon Clemens Wilmenrod hatte 1950 im Fernsehen seinen Toast Hawaii vorgestellt.


Alfred Biolek kochte und plauderte gern mit Gästen. So entstand um 1994 eine erfolgreiche Fernsehsendung, der noch viele Fernsehköche folgen sollten. Bei edlem Wein und entspannten Gesprächen wurde geschnippelt, gerührt, tranchiert, gemixt und abgeschmeckt.


Die Kochzutaten waren hübsch portioniert und die Zubereitung der exquisiten Speisen ging scheinbar mühelos von der Hand.



Im heimischen Haushalt sah das früher ganz anders aus: Die Küche war das Reich der Hausfrau, meistens nach Norden gelegen und recht klein. Wenn sie Glück hatte, nannte sie eine moderne Einbauküche mit elektrischen Helfern ihr Eigen. Dort werkelte sie meistens allein stundenlang – fernab ihrer Gäste und Familienmitglieder. Wenn das Gastmahl fertig zusammengestellt war, wurde die Schürze abgenommen und das Essen im Eß- oder Wohnzimmer aufgetragen. Manchmal konnte die Köchin von Gästen für ihre Kochkunst ein Lob einheimsen – Applaus bekam sie nicht.


Ganz anders die Fernsehköche: Die machten nun vor, wie leicht und schnell ein Menü zusammengestellt ist und wieviel Spaß das Kochen machen kann – eben ein Hobby!

Damit der Fernsehzuschauer dem Kochvorgang folgen und den Gesprächspartnern zuhören konnte, musste ein technisches Problem gelöst werden: Wie bekommt der Kameramann die Kochstelle UND den Koch auf die Linse? Wie filmt der Profi die aufgereihten vorbereiteten Zutaten und die notwendigen Handgriffe? Wie vermeidet er Bilder vom Rücken des Kochs am Herd in einer herkömmlichen Einbauküche?



Eine funktionelle Fernsehküche musste geplant werden: Kühlschrank, moderner Backofen, Mikrowelle, Dampfgarer usw. wurden in Sichthöhe an die Rückwand des Studios positioniert. Dazu gab es offene Regale für schnellen Zugriff auf Teller und Tassen. Hersteller exklusiver Küchengeräte entdeckten eine tolle Werbewirksamkeit, wenn ihre Produkte „ins rechte Licht“ gerückt wurden.


In einem langen Tresen installierte man verschiedene Kochstellen aus Gas, Induktion oder eingelassenen Grillplatten, Heizkörper für Wok-Pfannen u.v.m. Nicht zu sehen war, dass es viele helfende Hände vor und nach der Sendung brauchte, damit im Studio alles sauber und adrett aussah. So konnten der Starkoch und seine Gäste nebeneinander stehen und plaudern beim Kochen. Ein Dunstabzug über ihren Köpfen war für die Kamera störend und wurde gar nicht erst installiert?! Die Koch-Insel war geboren!


Voller Begeisterung verfolgten die Studio- und Fernsehgäste das Spektakel und spendeten reichlich Beifall!


Auch die Kunstgattung Architektur hatte die moderne offene Küche im Eigenheimbau entdeckt: Sparte man doch Kosten für eine oder zwei Wände, Flur-Quadratmeter und Türen. So wirkte doch auch eine kleine teure Wohnung sofort licht und größer! Eine „offene großzügige Wohnsituation“ wurde Standard im Wohnungsbau. Die Wohnzimmer mit integrierter Küche wurden so immer größer – 50 bis 60 Quadratmeter sind keine Seltenheit. Bedeutet das nun auch ein größeres Platzangebot, gar eine Inselküchen Glückseligkeit?

Was in Ferienwohnungen mit einer 270 cm breiten „Küchenzeile“ gerade noch so akzeptabel ist, wird in der eigenen normalen Wohnung nicht ausreichend sein.

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